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Bild: Everlast
  • Text: Fabian Soethof
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Everlast
Die Rückkehr des weißen Mannes


Eminem ist der erfolgreichste Rapper der Welt. Rage Against The Machine gehen wieder auf Tour. Everlast war früher da, nie weg und meldet sich doch zurück: mit seinem politischsten und dunkelsten Album.

Bunte Sneakers, Tarnfarben-Shorts, schwarzes T-Shirt, Klunker an den Handgelenken. Eine Designer-Sonnenbrille versteckt die müden Augen, das graue Haar lässt sich trotz Kahlrasur nicht verbergen. Wie er da auf der Couch eines Hamburger Nobelhotels lümmelt, will man mit Erik Shrody nicht über die Macht des Geldes, Erfolg und soziale Ungerechtigkeit sprechen. Auch ‘Love, War And The Ghost Of Whitey Ford‘, das fünfte Soloalbum des Grammy-Gewinners Everlast, präsentiert den 38-Jährigen als Teil einer Gesellschaft, deren Mitgliedschaft in HipHop-Kreisen früher mal als fragwürdig galt.

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In den Achtzigern macht sich Shrody - als eines der ersten „Weißbrote“ am Mic - mit Ice-T’s Rhyme Syndicate einen Namen, gründet später House Of Pain, schreibt mit ‘Jump Around‘ seine Lebensversicherung und macht Crossover salonfähig: „Wir nahmen Rage Against The Machine in unser Vorprogramm. Auch Korn verdanken uns ihre erste landesweite Tour.“ Nach House Of Pain bringt ihm die zweite Lebensversicherung ‘What It’s Like‘ vom Erfolgsalbum ‘Whitey Ford Sings The Blues‘ den Ruf als Songwriter ein, der bis heute den Rapper Everlast in den Schatten stellt. „Ich gebe einen Scheiß auf ’die Leute‘“, sagt er, „da steckt HipHop in allem, was ich tue.“ Egal waren „denen“ auch die Nachfolger. ‘White Trash Beautiful‘ verkam 2004 als Ladenhüter. Ein neues Label musste her, entschied der Künstler selbst.

Vier Jahre später also ‘Love, War And The Ghost Of Whitey Ford’. „Und genau darum geht es“ fasst Everlast zusammen, „um Liebe und Krieg. Den Geist nenne ich den Wandel des Sounds. Ich habe mich deswegen nicht verändert.“ Die neuen Songs leben von akustischen Momenten, asynchronen Beats, R’n’B-Qualitäten, einer betont düsteren Grundstimmung und klaren Worten zur Lage der Nation. Seit Januar liegt die Platte bei ‘Warner‘ in der Pipeline, in einem Monat wählen die USA einen neuen Präsidenten. Amerikas Künstler beeilen sich, es Obamas Optimismus gleich zu tun. ‘Kill The Emperor‘ grummelt und hetzt Everlast als vergleichsweise alter Mann ein wenig spät und schlägt eine Brücke zwischen Privatem und Politik. „Die Tage, als dich deine Hautfarbe in Amerika von irgendwas abhielt, sind gezählt“, schlussfolgert der Selfmade-Musiker aus der Nominierung des ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten.

Nach über 20 Jahren im Geschäft beschreibt sich Everlast, der vor den Toren von L.A. mit Mutti und Geschwistern ein Häuschen bewohnt, als „upper upper middle class“, denn: „Ich habe gesehen, was richtig reich sein bedeutet!“ Noch einen echten Hit, den hätte er ja schon gerne wieder. Gerade schrieb Everlast die Titelmelodie für die Fernsehserie ‘Saving Grace‘ und einen Song für Snoop Dogg. Songs stehlen, Geld für nichts und die Chicks gratis kriegen – so lief das noch nie: „Wenn du schnell einen Haufen Kohle machen willst, gibt es einfachere Wege“, verrät der tüchtige Erik Shrody das offene Geheimnis seiner stetigen Karriere, während er endlich die Sonnenbrille abnimmt. „Zum Beispiel Drogen dealen.“


BASTARD-POP

Aus der Sample-Technik im HipHop geboren, gilt Bastard-Pop seit den Neunzigern als – anfangs illegaler - Partygarant. Man nehme einen alten Schinken noch älterer Helden, mische einen nicht ganz so alten Kracher dazu und garniere das Ganze mit seiner eigenen Würznote. Bei Everlast heißt das Ergebnis ‘Folsom Prison Blues‘ und ist die erste Single-Auskopplung seines neuen Albums: „Wir spielen gerne Mash-Up-Shows. Einmal schmiss DJ Muggs diesen Cypress Hill-Beat rein, ich spielte und sang Johnny Cash drüber - und die Leute feierten das ab! Da wussten wir, dass wir aus diesem Unfall eine Platte machen müssten. Es findet jeder etwas daran, was er mag!“

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