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Bild: Kaiser Chiefs
  • Text: Thomas Müller
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Kaiser Chiefs
Der Kaisers Neue Lieder


Ein sehr schlauer, zynischer Mensch hat mal gesagt „Planen ist schwierig, besonders dann, wenn es um die Zukunft geht.“

Eine simple, aber unumstößliche Wahrheit, wie auch die Schwiegermütterdarlings des Stadion-Brit-Rocks, die Kaiser Chiefs aus Leeds erst kürzlich erfahren haben. Geplant war ursprünglich, etwas kürzer zu treten, aber dann kam alles anders. Wäre ja auch langweilig, wenn immer alles nach Plan laufen würde, und Langeweile ist etwas, das die Jungs nicht gebrauchen können - behauptet jedenfalls Sänger Ricky Wilson. Und nicht zuletzt wussten schon die alten Römer: „Es ist ein schlechter Plan, der keine Änderung erlaubt!“

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„Wir wollten diesen typischen Zyklus - Album, Tour, Album, Tour - durchbrechen; so was kann schnell zur Routine werden, und das ist tödlich. Vor allem für die Kreativität“, erklärt Ricky, der seinem vom NME verliehenen Ruf als „Best Dressed Person“ auch heute wieder gerecht wird und die ästhetisch fragwürdig eingerichtete Bar des Berliner Grand Hotels, das diesmal als Interviewkulisse dient, damit seltsam konterkariert. Wie so oft im Laufe des Gesprächs hat Schlagzeuger und Songschreiber Nick Hodgson sichtlich Freude daran, die leicht schlafmützigen Gedankenrudimente seines Bandkollegen weiterzuführen und zu verbrämen. „Ursprünglich hatten wir nur diese drei Songs, die wir aufnehmen und als Singles oder EP veröffentlichen wollten. Unter anderem das Stück ‘Never Miss A Beat‘. Wir waren ziemlich ausgebrannt und hatten geplant, danach zunächst eine Pause zu machen,um ein wenig Abstand zu gewinnen und neue Inspiration zu finden.“

Das war aber gar nicht mehr nötig, der fehlende Druck und die entspannte Zusammenarbeit mit den Hit-Produzenten Mark Ronson und Eliot James erwiesen sich als der ideale Nährboden für neue Ideen: „Es war nicht abzusehen, dass das Ganze in ein komplettes Album münden würde, dabei saßen wir gut fünf Monate im Studio. Niemand wusste etwas davon, und für uns war die Zeit wie ein riesiges Experiment, eine unendliche Spielwiese. Die restlichen Songs entstanden dabei fast wie von selbst“, erläutert Nick das Schneeballprinzip, das dem Songwritingprozess zu Grunde lag. „Normalerweise ist so viel Freiheit für eine Band unserer Größe ein ziemlicher Luxus…“

So gab‘s für die Songs dann auch tatsächlich nur eine Vorgabe: Nachschub für den Indie-DJ, ergo: Songs, die man „sowohl zu Beginn, in der Mitte und als Rausschmeißer spielen kann.“ Man darf behaupten, es sei ihnen mit dem nun vorliegenden, erneut sehr Morrissey-esk betitelten Drittwerk ‘Off With Their Heads’ durchaus gelungen.

Trotz aller kreativer Freiräume verzichten die Chiefs nämlich darauf, ein Dreifachkonzeptalbum zum Thema keltische Mythologie zu veröffentlichen und machen stattdessen das, was sie immer schon am besten konnten: unschlagbar eingängige Gitarren-Pop-Songs mit Hymnenappeal, die sich gleichermaßen aus Power-Pop und Post-Punk/New Wave speisen. Der auf den beiden Vorgängern definierte Weg wird konsequent weitermarschiert, nur eben mehr auf den Punkt gebracht. Überraschungen und typische Ronson-Gimmicks findet man allenfalls zwischen den Zeilen, dezente Streicher oder Lily Allen im Background etwa. Keine Zäsur also, sondern einfach Kaiser Chiefs at their best, konzentriert auf 39 Minuten: „Die Kunst ist es, Songs zu schreiben, die nicht nerven und möglichst viele Menschen erreichen. Das Rezept dazu ist, simple Strukturen zu benutzen, ohne beliebig zu klingen. Ich denke, das können wir ganz gut.“


Mark Ronson

Mark Daniel Ronson (Jahrgang 1975) ist nicht nur auf der Insel einer der derzeit gefragtesten Produzenten. Logisch, denn was der in London geborene New Yorker mit jüdischen Wurzeln anfasst, wird zu Gold. Macy Gray, Christina Aguilera, Amy Winehouse, Lily Allen oder Robbie Williams sind nur einige der Namen der illustren Liste von Musikern, mit denen Ronson zusammengearbeitet oder für die er Hits geschrieben hat. Der Black Music-Fan und mehrfache Grammy-Gewinner ist auch als Solo-Künstler unterwegs und Mitbegründer einer eigenen Plattenfirma. Kaiser Chief Ricky Wilson über die Zusammenarbeit: „Wir trafen ihn bei einem Lily Allen Video-Dreh, er trug ein Guns ‘N Roses T-Shirt und wir dachten nur: ‘Oh mein Gott‘?! Aber wir waren uns sehr sympathisch, also dachten wir: ‘Lasst ihn uns ausprobieren’!“

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