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Bild: Oasis
  • Text: Max Knaut
  • Fotograf: Lawrence Watson
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Oasis
Brauchtumpflege


Wenn Oasis in diesen Tagen ihr siebtes Studio-Album ’Dig Out Your Soul’ veröffentlichen, ist vieles wie immer und eigentlich doch alles ganz anders. Ruhiger sind sie geworden, fast bescheiden. Wir sprachen mit Liam Gallagher in London.

Am besten ist natürlich das ganze Drumherum. Zwar sind die markigen Sprüche, der ewig währende Bruderzwist und all die anderen Konstanten im Oasis-Kosmos routinemäßige PR-Maßnahmen. Aber manche Sachen passieren auch einfach nur so - und immer zur richtigen Zeit! Dass jemand auf die Bühne springt und Noel Gallagher schubst, woraufhin Konzerte abgesagt und eilige Bulletins verfasst werden, mag normal sein. Für Oasis aber bedeutet es die gefühlt 93. pannenbehaftete Nordamerika-Tour in Folge - es ist ein bisschen wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

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Noch besser: die Akte Jay-Z. Handelt es sich bei dem Zwist am Rande des britischen Glastonbury-Festivals doch um eine Art Reimport. Wie keine Rock-Band vor ihnen hatten Oasis von Beginn ihrer Karriere an die Mechanismen des Gangsta-HipHop beliehen, um sich öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Und ähnlich wie bei den ganz frühen East Coast vs. West Coast-Grabenkämpfen entsprang das Dissen bei den Gallaghers aufrechtem Hass - was ja das Tolle an dieser Band war.

Nun, da hüben wie drüben alles automatisiert ist (und zum Glück keiner mehr erschossen wird) kam es endlich zum Gipfeltreffen: Gallagher, der Ältere, legte vor mit seiner spießigen Bemerkung, ein HipHopper habe auf dem größten Rock-Festival Europas nichts verloren. Jay-Zs Replik erfolgte in Form einer verdaddelten „Wonderwall“-Version. Jay-Z: eins, Oasis: null. Inzwischen haben ein paar spanische Scherzkekse ein ’Ojayzis - Cooking Soul’ betiteltes Bastard-Pop-Album ins Netz gestellt - ein Heidenspaß.

Im Schatten derartiger Ereignisse konzentrierten sich Oasis in den letzten zwei Jahren erstaunlich harmonisch und konventionell auf ihr Kerngeschäft - sie nahmen in London und Los Angeles elf neue Songs auf und stritten sich dabei nur wenig. Nachdem Noel früher meist ätzte, seinen Bruder im Studio nur selten gesehen zu haben, war Liam diesmal angeblich meist der Erste vor Ort und half gar, das Equipment zu verkabeln. Einziger Aufreger: die Demission von Zak Starkey, inzwischen ersetzt durch den ehemaligen Robbie Williams-Schlagzeuger Chris Sharrock. Ansonsten arbeiten sie weiter an der Revitalisierung ihrer zuvor am eigenen Ego gescheiterten Band.

Und so klingt vieles bekannt, was die Gallaghers erzählen. Man sei jetzt eine richtige Viererband mit Gem Archer und Andy Bell. Noel habe keine Lust mehr, die schwere Last des Songschreibens alleine zu schultern - und wer Songs schreiben will, muss auch Interviews geben und so weiter. Also darf man wählen: Noel oder Liam alleine oder Gem und Andy zusammen. Es gibt härtere Entscheidungen.

Liam Gallagher sitzt im Hauptquartier der Oasis-Plattenfirma ’Big Brother’. Die goldenen Schallplatten hängen auf dem Klo. Wegen familiärer Verpflichtungen gibt er, ebenso wie Noel, nur drei Interviews am Tag. Der Sänger ist ein bisschen vergrätzt, zwei der von ihm geschriebenen Songs - seine besten, wie er sagt - haben es nicht auf die Platte geschafft - das letzte Wort hat immer noch sein Bruder. Trotzdem: „Our kid“ macht sich als Autor. Es war ein langer Weg von ’Little James’ bis ’I’m Outta Time’, einer schlichten, aber schönen Schmachtballade aus Liams Feder, die das Potenzial hat, der Band erstmals seit längerer Zeit einen Radio-Hit zu bescheren. „Keine Ahnung, wovon meine Songs handeln und wo ich damit hin will“, sagt Liam - was natürlich egal ist, weil die thematische Bandbreite dieser britischen Biertrinker-Musik ohnehin überschaubar ist, und man eigentlich noch nie so richtig wusste, worum es ging in Zeilen wie „I’m feeling supersonic, give me gin and tonic“. Irgendwas mit Rock’n’Roll und Freiheit halt. Eines jedoch will Liam nicht - sein Rüpel-Image bedienen: „Es sind andere an der Reihe, über ’Cigarettes & Alcohol’ zu texten, ich kann das noch singen, aber nicht darüber schreiben. Der Liam von 1998 würde mich wahrscheinlich hassen für diesen Satz: Ich bin älter geworden, habe Kinder und eine Frau. Es ist für mich schöner, nachmittags wach zu sein als um vier Uhr morgens betrunken. Aber ich würde noch jeden kleinen Pisser unter den Tisch trinken.“ Klar.

Sie müssen jetzt nur vielleicht ein bisschen aufpassen, dass sie nicht zu normal werden. Schließlich sind die News-Spalten ihr Kapital.


Die Gallagher-Diss-Charts

Jedem normalen Menschen wären bei all den Hasstiraden, die die Gallaghers auf ihre Feinde abfeuern, längst die Stimmbänder abgefault. Hier sind unsere Top-3.

1. Noel (auf die Frage, wen er - hätte er nur eine Kugel - lieber abknallen würde, Phil Collins oder Robbie Williams): „Phil Collins ist mir scheißegal. Ich würde ihn nicht abknallen [...] Robbie würde ich die Kugel einlegen, weil er sie ja früher oder später sowieso selbst benutzen wird, er ist so ein brutal unglücklicher Mensch.“

2. Liam: „Ich hasse Radiohead und Coldplay nicht. Ich wünsche ihnen keine Unfälle oder so, nur denke ich, dass ihre Fans langweilig und hässlich sind und nicht so aussehen, als hätten sie Spaß beim Konzert.“

3. Noel: „18 Jahre lang war ich auf Drogen, mich hat’s aber nie SO schlimm erwischt, als dass ich hätte sagen können ’Weißt du was? Ich finde die Kaiser Chiefs sind brillant!’“

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