- Text: Ina Göritz
- Fotograf: Erik Weiss
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Dirty Pretty Things
Das Ende von Albion
Das Leben kennt viele Lieben. Auf der Top-Friends-Liste von Carl Barât dürfte neben seiner Heimat auch seine nicht mehr ganz so neue Band Dirty Pretty Things stehen. Und dann ist da ja auch noch die Sache mit Pete Doherty.
Erst vor wenigen Tagen gab Carl Barât zu Protokoll, dass er und sein Ex-Libertines-Kollege Doherty „unfinished business“ zu erledigen hätten. Von neuen gemeinsamen Songs, gar einem Musical war die Rede. Das neue Futter für alle Wahnsinnigen und Gossip-Verliebten war so absurd, dass Carl selbst auf dem Weg zum Bäcker vor zukunftsbringenden Fragen nicht sicher war. Doch die orakelte Reunion der Libertines blieb aus. Stattdessen sitzt Carl gemeinsam mit Dirty Pretty Things-Gitarrist Anthony Rossomando inmitten einer Ladung Fruchtspieße und Obsttellerchen, um mal über den Stand der Dinge zu plaudern.
Die Entstehung des zweiten Dirty Pretty Things-Albums ’Romance At Short Notice’ war laut Barât zwar „alles andere als ideal“, von den ebenfalls kolportierten Zerwürfnissen und Beinahe-Mitgliederwechseln sei jedoch nicht viel zu halten. Alles „an den Haaren herbeigezogen“, kommentiert der 30-Jährige einsilbig. Richtig ist allerdings, dass inzwischen alle Bandmitglieder am kreativen Prozess beteiligt sind - was nicht nur die musikalische Vielfalt potenziert, sondern auch für ordentlich Rauch in der Hütte sorgt; den vier baumhohen Egos sei Dank: „Jeder hängt an seinen Ideen. Wir mussten lernen, Kritik nicht persönlich zu nehmen. Das braucht eine Weile“, weiß Anthony aus eigener Erfahrung zu berichten. Erstmals hat auch er Text und Gesang beigesteuert, ebenso wie Bassist Didz Hammond, der die neu eroberte Plattform in ’Kicks Or Consumption’ sogleich für seine persönliche Abrechnung mit BBC-Mitarbeitern nutzt. Der Lohn für die neue Gleichberechtigung mag ein erstarktes Bandgefüge sein, musikalisch hat der bandinterne Sozialismus nicht unbedingt gut getan. Hielt das Dirty Pretty Things-Debüt ’Waterloo To Anywhere’ jede Menge Potenzial und rosige Zukunftschancen bereit, wirkt die neue Veröffentlichung zerfahren, wenig homogen und trotzdem erstaunlich entschlossen.
Barâts Liebeserklärung an sein Mutterland namens ’Tired Of England’ bildet das Herzstück, das zwar nicht besonders stark, aber am richtigen Fleck schlägt und dem ein Gespräch mit „posh boy“ und Larrakin Love-Sänger Ed Larrakin zu Grunde liegt. Das Stück behandelt nicht mehr das transzendente „Albion“ der Libertines-Clique, sondern das England vor ihrer Haustür, das ebenso im Strukturwandel steckt wie die Dirty Pretty Things selbst. Ihren Plan, das neue Album Radiohead-gleich zum Download im Internet anzubieten, konnten Manager und späte Einsicht abwenden, das eigene Label rückt für die Band jedoch in denkbare Nähe. „Es wird sehr bald eine echte Option sein“, glaubt Carl. Großen Unterschied würde es nicht wirklich machen. „Wir funktionieren noch immer wie eine kleine unabhängige Band, und haben die gleichen Probleme und Sorgen.“
Fest steht: Für Romantisierung ist kein Platz mehr. Der Libertines-Bonus ist verspielt und die Dirty Pretty Things müssen sich allein behaupten. Erkannt haben sie das, umsetzen konnten sie es noch nicht.
Zukunftsmusik
Wohin die musikalische Reise für Dirty Pretty Things geht, bleibt abzuwarten, doch für den Soundtrack ist gesorgt. Carl Barât bastelt zusammen mit Tim Burgess von The Charlatans und einem Klaxons-Drittel am Debütalbum seines Seitenprojektes The Chavs, das im Herbst aufgenommen werden soll. DPT-Gitarrist Anthony Rossomando vertreibt sich seine freie Zeit im frisch eingerichteten Heimstudio und arbeitet unter anderem mit Jamie T zusammen. Schlagzeuger Garry Powell betätigt sich als Aushilfsschlagzeuger, u.a. für die New York Dolls.
Auch auf sallys.net: sally*sTV! Akzentetraining mit Barât
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