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Bild: Portugal. The Man
  • Text: Robert Goldbach
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Portugal. The Man
Nur die Liebe zählt


Als Portugal. The Man 2006 mit ‘Waiter: You Vultures!‘ debütierten, machten sie sich schnell einen Ruf als neue Indie-Sensation mit Tiermasken, verqueren Songstrukturen, homoerotisch anmutenden Pressefotos und exotischer Herkunft. Was damals keiner geahnt hätte: eigentlich sind das, Entschuldigung, verdammte Hippies.

Auf dem Nachfolger ‘Church Mouth‘ präsentierte die hörbar gereifte Band rockigere Songs mit kohärenteren Strukturen. Es folgte eine weitere Tour rund um den Globus.

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Und da, wo andere Bands mal eine Auszeit nehmen und eine Kreativpause einlegen, stürmte das spielwütige Kollektiv quasi direkt aus dem Tourbus schon wieder ins Studio, lud eine Menge Freunde ein, um zu sehen, was so passiert. Letzteres kann man auf einem neuen Album namens ‘Censored Colors‘ nachhören.

Das muss etwa so ausgesehen haben: Die Band ist in einer Zeitmaschine ins Jahr 1969 gereist, hat ein Orchester entführt und mit diesem in einer Hippie-Kommune eine wilde Session veranstaltet. Später wurde das alles auf großen Tonbandgeräten zusammengemischt.

Überhaupt zeichnet die Band ihre Offenheit für Jams und Gastbeiträge jeder Art von jeher aus. Und auch der unverkennbare Sixties-Spirit, der ‘Censored Colors‘ durchzieht, ist kein Zufall, wie Mastermind John Gourley erklärt: „Ich wollte dieses Album für meine Familie aufnehmen. Darin habe ich alles umgesetzt, was mich geprägt und beeinflusst hat: Meine Kindheit in Alaska, meine Eltern und alles, was sie mir beigebracht haben; die Musik, die sie mir als Kind vorgespielt haben. Ich habe damals so viel Motown und Sixties-Pop gehört. Das neue Album ist unser Versuch, daran anzuknüpfen.“

Entsprechend ist das Album in zwei LP-Seiten unterteilt. Die erste, die John als „Colors“-Seite bezeichnet, umfasst sieben hymnische und melodieverliebte Hits. Auf der zweiten gehen die mitunter fragmentarisch belassenen Songs nahtlos ineinander über, um einen 25-minütigen wilden Ritt zu bilden. Wen das an ein gewisses ‘Abbey Road‘-Album erinnert, der liegt vollkommen richtig, wie John bestätigt: „Klar, das ist mein absolutes Lieblingsalbum. Im Gegensatz zu den Beatles sind wir allerdings komplett ohne Songs oder nur einer vagen Vorstellung davon ins Studio gegangen. Ich hatte mir ausgerechnet, dass ich etwa einen Song pro Tag schreiben müsste, um ein halbwegs anständiges Album vorlegen zu können. Nach dem vierten Tag hatte ich den Bogen raus. Das Stück ’Created’ etwa ist in nur 30 Minuten entstanden.“

Und überhaupt: Seitdem er „richtig Gitarre spielen kann“ und Akkorde statt Riffs die Grundlage bilden, fiele ihm das Songschreiben sowieso leichter. Ein neues Album ist also nur noch eine Frage der Zeit.

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