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Bild: Cansei De Ser Sexy
  • Text: Steffen Meyer
  • Fotograf: Roberta Ridolfi
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Cansei De Ser Sexy
Per Anhalter durch's Internet


CSS sind eine blutjunge Band aus São Paulo und damit die einzige aus Südamerika, die bisher bei den Indie-Veteranen von ’Sub Pop’ unter Vertrag genommen wurde. Klingt nach einer interessanten Geschichte. Dabei ist das ’Sub Pop’-Kapitel mit das konventionellste, was CSS je gemacht haben. Ihr neues Album ’Donkey’ ist nur eine weitere Zwischenstation in ihrer weltumfassenden Reise.

Schon das Come-Together war purer Zufall. Durch lose Kontakte auf Foto-Blogs im Internet kam sich die Vier-Weibchen-und-ein-Männchen-Band um Sängerin Luisa ’Lovefoxxx’ 2003 näher, stolzierte ein wenig durch das wilde Nachtleben São Paulos und fand sich irgendwann in einem Proberaum wieder. Die Einsicht, man könne überhaupt kein Instrument spielen, kam schnell. Doch die Chance auf einer Bühne zu stehen, fixte CSS an und man begann zu proben. Genügend Selbstvertrauen war da, der Wille zum Experiment sowieso, immerhin haben alle Bandmitglieder vorher irgendwas mit Kunst, Design oder Film gemacht, und so fing die Band 2003 an, kleinere Clubs in ihrer brasilianischen Heimatstadt zu bespielen. Ein ausgemachtes Chaos. Störrisches Schlagzeugpoltern, das alle 20 Sekunden aus dem Takt kam, fiepende Keyboards, die sich immer knapp unterhalb der Schmerzgrenze bewegten und schmutzig-sägende Drei-Akkord-Gitarren; der Anfang von CSS muss einfach nur PUNK PUNK PUNK gewesen sein.

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Sangen sie anfangs noch in ihrer Muttersprache Portugiesisch, wechselten sie schnell ins Englische. Und CSS wurden groß, sehr groß sogar. Innerhalb kürzester Zeit erspielten sie sich mit ihrem verrückten Mix aus kruden Dance-Floor-Rhythmen und melodieverliebtem Garagen-Sound eine riesige Fanbasis in ihrer Heimat. Nur um dann zu verkünden: „Unsere Szene ist nicht São Paulo, sondern das Internet.“ Ganz schön selbstbewusst. Da passt es sogar, dass die drei Bandbuchstaben nicht, wie zuerst angenommen, ein Verweis auf ein babylonisches HTML-Gebrabbel, sondern die Abkürzung der Übersetzung des Beyonce Knowles Zitates „Tired of being sexy“ sind. Wohlgemerkt bei einer Sängerin, die auf CSS-Konzerten in hautengen Ganzkörper-Chamäleon-Kostümen die Bühne elektrisiert.

Ihr gleichnamiges Debütalbum erschien 2005 ausschließlich in Brasilien, einer limitierten Edition lag sogar ein CD-Rohling bei. Nicht lange danach klopfte ’Sub Pop’ an die Tür. Doch der Moment, in dem es für CSS so richtig los ging, sie zu einem festen Bestandteil der globalen-vernetzten Pop-Kultur wurden, war nichts weiter als ein Mausklick des 18-jährigen Nick Haley am 11. September 2007. Der britische Student bastelte in Eigenregie einen Werbespot für den neuen iPod-Touch, unterlegte ihn mit „Music Is My Hot Hot Sex“ von CSS und stellte den Clip auf Youtube. Ein Mausklick mit Folgen. Einige Wochen später übernahm Apple den Clip und benutzte ihn für die offizielle Apple-Werbung im US-Fernsehen. So schnell kann’s gehen.


SUB POP

Bruce Pavitt und Jonathan Poneman, die Gründer von 'Sub Pop', verdienen einen Schrein so groß wie die berühmte Space Needle in ihrer Heimat Seattle. Kein anderes Label hat uns in den letzten 20 Jahren mit so ausgesuchter, so authentischer, so dreckiger, vom Abgrund der Seele kommender Rock-Musik beglückt. Dieses Label war immer am Puls der Zeit, hat seine Ohren nie gegenüber Neuem verschlossen und ging mit vollem Bewusstsein Risiken ein. Risiken, bei denen jedes andere Label dankend abgelehnt hätte. Wo wären wir heute ohne Mudhoney, Soundgarden, The Afghan Whigs, Sunny Day Real Estate und achja, Nirvana? Antwort: In der Musik-Hölle. Ein Ort ohne The Thermals, Wolf Parade, Fleet Foxes und CSS. Denn Musik ist Evolution. Also lasst die Korken knallen. Schnallt euch die Gitarren um, lasst die Drumsticks kreisen, dreht den Verstärker auf Maximum und alle: HAPPY BIRTHDAY TO YOU...

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