- Text: Philipp Kohl
- Fotograf: David Belisle
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Fleet Foxes
Nächte im Dickicht
Wenn der NME eine Band „the best thing since Grizzly Bear“ nennt, ist das zwar mit Vorsicht zu genießen. Bei den Fleet Foxes kann man aber nur zustimmen: Sie sind Seattles zotteliger Gegenentwurf zum Weird-Folk der Ostküste.
Kaum überrascht es, wenn Managermagazine hervorheben, dass Vollbartträger in Vorständen nur spärlich vertreten seien. Doch auch im popkulturellen Haardiskurs scheint der Bart noch verhängnisvoller Marker für schmuddelige Sonderlinge oder gleich spätmarxistische Schwerenöter zu sein. Weil zwei der Fleet Foxes lange Haare und Bärte haben (die sprießen mit Anfang 20 noch nicht mal so dicht), ein Pressefoto mit Holzfällerhemden existiert und ihre Texte Signalwörter wie „Mountain“ oder „Forest“ aufweisen, haftet ihnen ein apriorisches Hippie-Signum an. Bassist Christian (nur stoppelig) keift gegen solches Gerede ins Diktiergerät: „Scheiß auf diese Leute!“
„Diese Leute“ missdeuten die Tendenz von Bands des „New Weird America“: Man benennt sich nach Tieren („Animal Collective“, „Grizzly Bear“), man singt über Naturerfahrung, man gniedelt auf psychedelisch vorbelasteten Instrumenten, doch immer an den entscheidenden Ecken stilisiert. „Wir gehen nicht ständig wandern, da gibt es interessantere Dinge“, erklärt Keyboarder Casey und kontert auf die Frage, warum man sich dann ausgerechnet nach Füchsen benannt habe: „Ich glaube nicht, dass es sinnvoll gewesen wäre, eine Metallstruktur oder ein technisches Gerät als Bandnamen zu wählen. Es klang einfach gut.“
Im Gegensatz zu anderen Folk-Verdrehern stammt diese Band nicht von der Ostküste, sondern aus Seattle. Da brachte ihr Label ’Sub Pop’ vor knapp 20 Jahren schon ähnlich zottelige Grunge-Größen heraus. Man kann den Fleet Foxes nicht vorwerfen, an Nirvana anzuknüpfen, doch ihre mehrstimmigen Gesangslinien lassen sicher an ähnliche Harmoniekonzepte der Sechziger denken, etwa Crosby, Stills & Nash. Sie selbst nennen es „baroque harmonic pop jams“.
Die Chöre entwickelte Sänger Robin erst am Ende der Aufnahmen, schließlich stiegen die anderen ein. Warum das Album ’Fleet Foxes’ ausgekochter als andere Debüts klingt, liegt auch an seiner Produktionszeit. Ein Jahr brauchte es und sprengte jedes Budget, das erforderte Opferbereitschaft. „Zwischendurch waren wir obdachlos oder schliefen im Proberaum. Wenn kein Geld fürs Studio mehr da war, machten wir zu Hause weiter“, sagt Casey. Die elf Songs, die am Ende von über 30 übrig blieben, waren es wert.
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18.10.2008
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