- Text: Steffen Meyer
- Fotograf: Eddie Malluk
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Soulfly
Kill me if you can
Max Cavalera im Metal-Blutrausch. Die musikalische Versöhnungszeremonie - The Cavalera Conspiracy - mit seinem Bruder Igor dröhnt noch in den Ohren, da setzt der egomanische Soulfly-Feldherr wieder einmal das Schlachtermesser an.
Max Cavalera kann einfach nicht still sitzen. Er will kämpfen, will spucken, sich prügeln, den Agressionen freien Lauf lassen und er kennt keine Kompromisse. Bei Soulfly ist er der Despot, der alleinige Herrscher, und jeder, der nicht spurt, wird rausgeschmissen. Bei dem Brüderprojekt war er auf Augenhöhe mit Igor. Das ist jetzt vorbei. „Nach Cavalera Conspiracy war es wieder Zeit für ein kompromissloses Statement“, gesteht Max. „Bei Soulfly kann ich einfach ich selbst sein, und ’Conquer’ ist so geworden wie ich es haben wollte.“
Schon der Name des neuen Albums und der waffenschwingende Dämon auf dem Cover machen deutlich: Hier fließt das Blut literweise. Und wenn wir mal ehrlich sind - Max Cavalera sieht selbst ein wenig wie die Dämonen aus, die ihn des Nachts heimsuchen. Unter seinem Kriegerbart schneidet sich tätowierter Stacheldraht ins Fleisch und wenn Max lacht, klingt es in etwa so, als hätte er gerade jemanden auf den Hinrichtungsplatz geschickt.
Bei aller Kriegsmetaphorik geht es ihm natürlich nicht um ein reales Gemetzel (auch wenn Max sich jetzt schon auf den Moshpit beim „With Full Force“-Festival freut), sondern um die Schlachten, die man mit sich auskämpft. „Ich will nicht die Welt erobern oder Völker unterwerfen. Vielmehr geht es mir um den Sieg über die Angst. Wer seine Furcht überwindet, erobert das Leben und den Tod zugleich.“
Wovor sich Max fürchtet, verrät er nicht, doch die Vermutung liegt nahe, dass er nichts mehr hasst als Stillstand. Lethargisch, mit mürrischen Gesichtszügen, die Tage an sich vorbeiziehen lassen: Für den Soulfly-Metal-Head wäre das der Tod. Er ist immer unterwegs, ständig auf der Suche nach neuen Sounds, die er seinem Soulfly-Tribe einverleiben kann. Balkan-Orgeln in wilder Symbiose mit Metal-Attacken - bei Max Cavalera ist sowas eher die Regel als die Ausnahme. Ließ sich der Brasilianer auf den früheren Sepultura- und Soulfly-Platten noch von südamerikanischen Elementen beeinflussen, wendet er sich seit einigen Jahren dem musikalischen Rest der Welt zu. Große Teile von ’Conquer’ sind in Ägypten auf einer Nilfahrt entstanden. Der Nil. Ein Fluss, der sich wie eine riesige Schlange in den afrikanischen Kontinent schlängelt, hinein in das Herz der Finsternis. Joseph Conrad verhalf so eine Fahrt zu seinem berühmten Buch, Max Cavalera nahm ’Conquer’ auf. In der Stadt der Toten, einem riesigen Friedhof an der Peripherie Kairos, auf dem aber auch über eine Million Menschen in Slums leben, ließ Max Cavalera sich inspirieren. „Das war so krass. Die Menschen leben dort direkt neben den Toten. Das war so wild, so archaisch, selbst für jemanden wie mich.“ Das will was heißen.
Farbechter Körperschmuck
Es war nicht alles schlecht in den Neunzigern. Der hysterische Tribal-Tattoo-Trend aber schon - irgendwie. Wer sich damals von der Euphorie um die (einst) schwarzen (und heute leicht grünlichen) Muster anstecken ließ, trägt sein Schulter- oder Steißbein-Tribal natürlich noch immer - geht halt schlecht wieder weg. Dabei fing alles so romantisch an. Der Begriff "Tattoo" hat seinen Ursprung in Polynesien und wird auf den tahitianischen Begriff "tatau" zurückgeführt. Nirgendwo sonst gibt es heute so viele großflächig tätowierte Menschen wie im Südseeparadies, wo das Tätowieren vor den Verboten durch die protestantischen Missionare ein feierliches Ritual und der Job des Tätowier-Priesters irre gut bezahlt war. Mädchen wurden damals im Alter von acht bis zehn Jahren tätowiert, um schick für die Pubertät zu sein. Eine junge Dame ohne Tattoo war für die Männerwelt Tabu. Ihr seht also, so ein Arschgeweih ist nicht das Schlechteste.
BEATSTEAKS AFTERSHOW PARTY
29.08.2008
tapetenwechsel @ Rosi's - BEATSTEAKS AFTERSHOW PARTY



