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Bild: The Charlatans
  • Text: Marcus Willfroth
  • Fotograf: Roger Sargent
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The Charlatans
Neubeginn wider Willen


Inhaltlich überaus spannend, musikalisch erstaunlich innovativ: Abseits veralteter Sounds suchen die Charlatans auf ihrem zehnten Album 'You Cross My Path' die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit - ein schwieriges Unterfangen.

"Die letzten zehn Jahre waren wie eine Achterbahnfahrt", erklärt ein aufgeräumter Charlatans-Frontmann Tim Burgess etwas deprimiert. Worauf der Sänger anspielt, ist die Zeit nach den goldenen Neunzigern und dem unvermeidbaren Megahit 'The Only One I Know'. "Wenn du auf der Erfolgswelle schwimmst, denkst du erst mal nicht an Morgen. Ich war damals verdammt jung und kannte nichts außer der Musik. Dummerweise habe ich mir einen schlechten Lebensstil angewöhnt - aber was soll man machen, Euphorie sorgt für die dümmsten Ideen." Ein Cocktail aus Drogen und Alkohol bestimmte den Tagesrhythmus des Tim Burgess und ließ seine Kollegen fast verzweifeln. Ganz nach dem Motto: Kein Land in Sicht!

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"Als unsere letzten Alben nur schlechte Kritiken bekamen, registrierte ich langsam, dass da irgendwas nicht funktioniert. Nicht mit den Medien, sondern mit mir, dem Songwriter der Band!" Eine erfolgreiche Entziehungskur sorgte für die Wende. Nach den unzähligen Rückfällen der letzten Jahre, ist 'You Cross My Path' der erste "cleane" Longplayer in der 20-jährigen Geschichte der britischen Charlatans: "Bei den vorherigen Platten gab es immer wieder diese Aussetzer von mir, und meine Jungs zeigten viel Verständnis dafür. Diesmal wollte ich ihnen etwas zurückgeben."

Doch nicht nur der Band, auch seinen Anhängern: Seit ein paar Wochen kann 'You Cross My Path' kostenlos von der Bandhomepage runter geladen werden. "Das ist ein konsequenter Schritt und er nahm viel Druck von unseren Schultern. Die Platte ist ein Geschenk für all die Menschen, die immer zu uns gehalten haben." Klingt doch ganz gut, das neue Selbstverständnis der Charlatans.

Musikalisch scheint die Combo ebenfalls aus dem Gröbsten raus: Wo zuletzt verkrampft versucht wurde, an alte Hits anzuknüpfen, präsentieren sie nun eine gewagte Kombination aus Synthesizern, Orgeln und britischen Gitarren-Pop. Das Gute daran: Es funktioniert.

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