- Text: Florian Hayler
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Sally*sTV
The Hellacopters
Respect the Rock - bis ins Grab
Ortstermin bei den Hellacopters im sonnendurchfluteten Stockholm. Die (vor-)letzte verbliebene Bastion des Garagen-Rock skandinavischer Bauart bläst mit ihrem letzten Studiowerk 'Head Off' zum großen Karrierefinale. Der Haken: Die Hellacopters machen die Grätsche mit einem Coveralbum!
Vor gut zehn Jahren ist Nicke Andersson Ende 20, er surft ganz oben auf der frisch anrollenden New Wave Of Scandinavian Ass-Rock, hat an jedem Finger eine Braut und ist neben Gluecifer-Gitarrist Cpt. Poon Respektperson, Sexsymbol und Rock-Gott in einem. Doch dann wälzen Nu-Metal und Indie-Rock die Skandi-Welle platt wie Estrich und der Traum von der großen Karriere mit Helikopterflügen zum nächsten Stadionkonzert, Reichtum und Blingbling zerplatzt wie ein altersschwacher Mofareifen. Die Hellacopters ziehen trotzdem weiter stoisch ihre Runden durch die Clubs der Welt, veröffentlichen ihre Scheiben in eiernden Intervallen bei Plattenfirmen, die nicht mal den Namen der Band richtig buchstabieren können, und stürzten sich in den arbeitsfreien Wochen wie ausgehungert in ihre Seitenprojekte. Hier ist Musik noch Hobby, nicht dieser Job, mit dem man Zins und Abtrag für das Eigenheim zusammenverdienen musste. Die logische Konsequenz also für die Hellacopters? Weitermachen!
Dann hat Nicke diese Idee. Wenn er sowieso alles (Songwriting, geschäftliche Dinge, Artwork) alleine stemmen und das Geld anschließend trotzdem durch fünf Teilen muss, warum sollte er es sich für das siebte Album nicht mal leicht machen und sich ein paar Songs bei befreundeten Bands leihen?! Ein Tributalbum einspielen, wenn man so will. Das geht schnell, kostet nicht viel und bereitet obendrein noch Laune. Denkste: "Wir wollten 'Head Off' in aller Ruhe und in Etappen aufnehmen. Zunächst spielten wir ein paar Tracks in Göteborg ein, nur Schlagzeug und meine Gitarren", erklärt Nicke, stilecht gedresst in MC5-Truckermütze und KISS-T-Shirt. "Anschließend sind wir in mein Haus gezogen, um an paar Details zu schrauben, später gab's noch eine Session in Bobbas Küche und als wir uns das Ergebnis schließlich anhörten, klang unser neues 'Album' wie ein schlechtes Demo. Ein extrem teures, schlechtes Demo..."
Nach einer Komplettüberarbeitung der Stücke klingt 'Head Off' nun trotz der Tatsache, dass nicht ein einziger Hellacopters-Song auf dem Album enthalten ist, wie eine amtliche Hellacopters-Scheibe: Die fünf verpassten Hymnen wie dem New Bomb Turks-Hit 'Veronica Lake' oder 'Electrocute' von den Demons eine Zusatzportion Druck und frönen auf 'Making Up For Lost Time' von den Bellrays Nickes Vorliebe für Soul- und Doo-Wop-Grooves. 'Head Off' zeigt die Hellacopters dank seiner stilistischen Vielfalt noch einmal in Bestform, was nun - nachdem sich die Band auf ihre Auflösung geeinigt hat - natürlich doppelt schmerzt. Schließlich stirbt mit der Band auch ein Teil Musikgeschichte und damit ein Teil von jedem, der sich in den letzten zehn, zwölf Jahren auch nur ansatzweise mit Rock-Musik beschäftigt hat.
Nicke, glaubst du, du wirst eines Tages wieder so viel Leidenschaft in eine Band stecken wie in die Hellacopters?
Ehrlich gesagt stecke ich in alle meine Projekte gleich viel Leidenschaft - in die Hellacopters genauso wie in Death Breath oder The Solution. Wenn ich etwas mache, dann mit 100% Einsatz.
Wird Musik denn im Leben eines jeden einzelnen weiter eine tragende Rolle spielen?
Nicke: Ich mache weiter, und zwar so lange, bis mir jemand sagt: "Nicke, hör' auf. Du bist einfach nur noch peinlich."
Bobba: Ich freue mich darauf, Musik endlich wieder als Hobby, und nicht als Beruf zu haben. Ich arbeite an meiner Dissertation in griechischer Literatur, Schwerpunkt Philosophie.
Nicke: Strings arbeitet in einer Bar, Robert in einem Jugendzentrum mit Proberäumen und so was. Kenny habe ich seit sechs Monaten nicht gesehen, ich glaube, er rezensiert Heavy-Metal-Scheiben für die Musikpresse. Kenny hasst Heavy-Metal. Er mag nicht mal KISS!
Was glaubt ihr werden die Hellacopters hinterlassen? Wofür wird man sich an sie erinnern?
Nicke: Es fühlt sich seltsam an, wenn man überlegt, dass wir etwas geschaffen haben, was vielen Leuten etwas bedeutet hat. Deshalb bin ich sehr berührt, wenn unsere Fans sich bei uns für die gemeinsame Zeit bedanken und uns sagen, wie sehr sie uns vermissen werden.
Zum endgültigen Abschied veröffentlicht ihr Ende des Jahres noch ein Live-Album. Wann dürfen wir auf die Reunion-Tour hoffen?
Nicke: Wie lange wartet eine Band damit normalerweise? Bis einer stirbt? Aber dann gibt es ja keine Reunion mit dem Original-Line-Up! Obwohl, wenn Strings abdankt, dann holen wir uns Dregen zurück! Die Backyard Babies sollten sowieso langsam abtreten. Das wird nichts mehr mit dem Durchbruch...
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