unclesally*s - willkommen zu hause

Bild: Auf der Couch mit:
  • Text: Steffen Meyer

Auf der Couch mit:
Matthew Bellamy (Muse)


Ein entspanntes Lächeln ziert das Gesicht von Matthew Bellamy - die Dinge laufen glänzend: Gestern Abend in Dublin sahnte er mit seiner Band Muse bei den „Meteor Music Awards“ die begehrte Auszeichnung „Best International Live Performance“ ab und die neue Muse-DVD „H.A.A.R.P.“ ist ein eindrucksvolles Zeugnis ihres derzeitigen Status‘ als eine der größten Bands der Stunde. Die besten Vorraussetzungen also für intime Geständnisse. Thema heute: Begabung.

Matt, wann hast du zum ersten Mal erkannt, dass du eine besondere Begabung für Musik hast?

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Matt: Ich vermute, als ich als Neunjähriger anfing, Klavierspielen zu lernen. Ich begeisterte mich aber nicht ausschließlich für klassische Musik, sondern für Blues; Robert Johnson, Ray Charles, solche Leute. Da war etwas in dieser Musik, das mich anzog. Der Spaß, die Aufregung und dieses Gefühl für‘s Improvisieren - das versuchte ich, am Klavier umzusetzen. Und ich fühlte, dass mir das auch ganz gut gelang.

Hat dich dein hohes Interesse an Musik von anderen Kindern abgesondert? Warst du ein Außenseiter?
Matt: Definitiv. Während meiner Schulzeit realisierte ich sehr schnell, dass mein Interesse an Musik viel stärker war als am Unterricht. Zur Schule zu gehen war für mich eine relativ stumpfsinnige Erfahrung. Im Gegensatz dazu stand die Musik. Sie sprach zu mir und lehrte mich viel mehr als es das traditionelle Bildungssystem je vermocht hätte.

Wenn du dir eine Begabung spritzen könntest, um dein musikalisches Können zu verbessern. Welche Begabung wäre das?
Matt: Die Fähigkeit, Musik schnell zu durchschauen und die Struktur zu entziffern. Eine Sinfonie von genialen Musikern wie Rachmaninoff oder Chopin aufzuschlagen und daraus schnell zu lernen. Bei mir dauert das Übersetzen von Musik Ewigkeiten. Ich kann das einfach nicht, weil ich es nie gelernt habe.

Bist du der Meinung, dass ein talentierter Musiker gleichzeitig eine gewisse Verantwortung für sein Verhalten trägt?
Matt: Das ist schwierig zu beantworten. Einige der begnadetsten Musiker haben einen ziemlich chaotischen Lifestyle und tragen überhaupt keine Verantwortung für das, was sie tun. Vielleicht weil sie glauben, ihr Talent erlaubt es ihnen, alles tun und lassen zu können; quasi nonstop wild zu sein. Mozart ist ein sehr gutes Beispiel für so eine Person. Unwahrscheinlich talentiert, doch sein Verhalten war für die damalige Zeit echt Rock‘n‘Roll. Heutzutage hast du Leute wie Kurt Cobain oder Amy Winehouse, deren Talent immer auch etwas mit Selbstzerstörung zu tun hat. Ich bewundere die Musik von Künstlern, die in ihrem Werken die Grenzen zwischen Genie und Wahnsinn ausloten.

Plötzlich unterbricht Matthew das Gespräch und holt seinen Schlüsselbund hervor. Während der letzten Minuten hat dort ein kleiner, schwarzer Würfel hohe langgezogene Töne von sich gegeben.
Matt: Schau dir das an, sehr merkwürdig. Rick Costey, der Produzent unseres letzten Albums, hat mir das vor zwei Jahren geschenkt. Es ist ein Detektor für radioaktive Strahlung und heute meldet sich dieses Ding zum ersten Mal.

Du bist nicht zufällig verstrahlt?
Matt: Nicht, dass ich wüsste. Aber vielleicht wurde in diesem Hotel Alexander Litwinenko vergiftet.

Matthew checkt die Skala auf dem Würfels und stellt fest, dass wir erst in 20 Tagen mit körperlichen Beeinträchtigungen rechnen müssen. Die Couch wechseln wir trotzdem aus.

FAZIT:
Bellamy wurde das Talent für die Musik in die Wiege gelegt, kein Zweifel. Wer mit neun Jahren schon erste eigene Blues-Kompositionen am Klavier verfasst, kann nicht „normal“ sein. Props an Bellamy für seinen Plutonium-Detektor - sowas werden wir uns auch zulegen...

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