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Bild: Thomas Mann - Dr. Faustus
  • Text: Moritz Honert
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Thomas Mann - Dr. Faustus
Deutschunterricht zum Hören


Bei großen Teilen der zeitgenössischen Kritik fiel Manns groß angelegtes Werk nach seinem Erscheinen im Jahr 1947 glatt durch: Völlig ironiefrei und humorlos, so lautete der Vorwurf an den "Doktor Faustus", der Anhand der Autobiografie des fiktiven Komponisten Adrian Leverkühn nicht nur den Weg Deutschlands von Weimar nach Auschwitz, sondern auch noch Nietzsche, die Zwölftonmusik, das Verhältnis der Deutschen zur Kunst und das Ende der selbigen erklären sollte. So richtig nachvollziehbar sind die Vorwürfe im Nachhinein nicht, wie die heutige Lektüre des Stoffes beweist. Auch wenn der gelegentlich recht oberlehrerhafte Ton der kunstvoll gedrechselten kapitellangen Auslassungen über Musiktheorie manchmal ein wenig nerven kann. Eine lustig-leichte Angelegenheit ist jedoch auch die nun erschienene Hörspieladaption des Stoffes nicht geworden, für die der Originaltext um mehr als die Hälfte gerafft wurde. Übrig geblieben ist immer noch ein Elf-Stunden-Hörspiel-Skript, das mit gehörigem Aufwand und mit über 60 hochkarätigen Sprechern wie Ulrich Noethen, Michael Mendl oder Matthias Habich vertont wurde. Umso erstaunlicher, dass die Erzählpassagen trotzdem so lang geraten sind, dass man besonders zu Beginn das Gefühl hat, einer Lesung zu lauschen. Die Macher erklären, dass sie sich angesichts der Struktur des Romans dazu gezwungen gesehen haben. Wenn's so ist, dann wäre eine reine Lesung vielleicht der bessere Weg gewesen. Der Eindruck der nun erweckt wird, ist nämlich trotz aller Kunstfertigkeit ein etwas unentschiedener.

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