- Text: Christian Yessica Rulfs
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WM 2006
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Wer sich in dem Kiez, in dem ich wohne, erfolgreich selbstständig machen will und entweder zu blöd ist, Drogen zu verkaufen oder zu sensibel Menschen zu verprügeln und ihnen ihr Geld zu klauen, der studiert ein Jahr Straßen-Marketing und versucht es dann mit der berühmten "Gastro-Rochade".
Heißt: Entweder er macht gegenüber eines indischen Restaurants ein indisches Restaurant auf oder er eröffnet zwischen zwei konkurrierenden Dönerbuden (Lam) eine dritte Dönerbude (Hänschenfleich).
Nur wer sich als Unternehmer auch auf internationalem Terrain sicher und gelassen bewegt, wagt sich an die Königsdisziplin, an die offizielle Gelddruckmaschine, den einohrigen Banditen im Las Vegas der Low-Tech-Kommunikation: DAS TELECAFE!
Es gilt als größter strategischer Schachzug, neben einem Telecafe (mit Internet) ein Telecafe (mit Internet) aufzumachen. Ein Telecafe ist ein Raum, in dem man kosteneffizient mit Freunden in der ganzen Welt telefonieren kann. Während man das tut, wäscht der Besitzer sein Geld. Kaffee und andere Heißgetränke gibt es in Telecafes nur selten. Deshalb könnten sie eigentlich auch Teletee, Telewurst oder Telebillardsalon heißen. Tun sie aber nicht. Es gibt bestimmt Telecafes, in denen Billard oder Tischtennis gespielt wird. Aber keins davon heißt Teletischtennis-Geldwaschanlage. Es heißt Telecafe.
Ich gehe nie in ein solches Cafe. Aber ich wohne über einem. Meine am weitesten verstreute Verwandte, die ich aus einer solchen Telefonierstube anrufen könnte, ist meine Mutter. Aber meine Mutter hat eine Flatrate. Ich auch. Somit ist das Telefonieren umsonst. Was meine Mutter aber nicht daran hindert, jedes Gespräch nach wenigen Minuten mit den Worten "Wir hören jetzt mal auf Junge, das wird zu teuer" zu beenden. Ich könnte ihr ihren Unfug erklären, aber jemand, der damit lebt, dass es in Telecafes keine Heißgetränke gibt, ist hart gesotten. Der sitzt das aus!
Nun zur Geschichte: Es ist WM 2006. Die Vorrundenspiele laufen bereits. Deutschland erfindet das Public Viewing. Jeder kennt sich jetzt aus. Zwei Spezialisten stehen vor dem Schaufenster meines Telecafes und studieren ein Plakat, das darüber informiert, in welche Länder man aus diesem Cafe heraus günstig telefonieren kann. Es ist ein hübsches Plakat mit 50 verschiedenen bunten Landesflaggen aus der ganzen Welt. Für die beiden Spezialisten ist sofort alles klar: Das ist ein WM-Planer!
Der Eine: "Das sind ja die falschen Fahnen!" Der Andere: "Warum?" Er: "Marokko ist doch gar nicht dabei bei der WM." Der Andere: "Aber Marokko ist doch Tunesien." Der Erste: "Ach ja. Marokko ist ja Tunesien. (Pause) Und was ist mit Türkei?" Der Andere: "Die Türkei ist jetzt Deutschland. Deshalb spielen die nicht mit. Die haben verzichtet!"
Aha. Public Talking!
Yessica Yeti
BEATSTEAKS AFTERSHOW PARTY
29.08.2008
tapetenwechsel @ Rosi's - BEATSTEAKS AFTERSHOW PARTY



