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Bild: Unheimlich
  • Text: Andreas Hartung
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Unheimlich
Lovecraftian Horror 2


Miguel E. Riveros hat vor kurzem die Illustrationen für das vieldiskutierte Spick-Mich-Buch gezeichnet. Und er hat seine Sache gut gemacht. Figuren und Inhalt passen stimmig zu einander. Horror ist anscheinend eher nicht so sein Ding. Fast zwei Jahre nach "Unheimlich1" und der atmosphärischen und gelungenen Kurzgeschichte "Heimweh" folgt Teil 2 der im großen Stil angelegten Horror-Comicreihe. Nun ist Horror im Comic immer ein wenig schwierig. Wirkliche Schockmomente sind kaum hinzubekommen. Und auch schaurige Atmosphäre, die sich wirkungsvoll auf den Leser überträgt, ist extrem schwierig. Eventuell ist ernsthafter klassischer Horror im Medium Comic dem in Film und Buch unterlegen.

Als Folge gehen viele Horrorcomics den Weg des Rock'n'Roll: Viel Blut, verunstaltete siamesische Zwillinge, fies grinsende Dämonen und ein leichtes Augenzwinkern im gespaltenen Schädel. Miguel meint es aber wahrscheinlich ernst. Da man aber auf wirkungsvolle Schockmomente eher verzichten muss, funktionieren die ganzen Standardgeschichten, die man als Horrorfan gewohnt ist, plötzlich nicht mehr. Und genau das passiert Miguel in Heft 2. Drei Jungs wollen in ein stadtbekanntes Hexenhaus eindringen. Ein hinterrücks auftauchender Fremder führt sie hinein. Drinnen taucht eine grün glühende Hexe auf, die natürlich nackig ist und sich mit riesigen Eumeln und rotglühenden Augen auf einen unserer Neugierigen setzt. Es wird ein wenig gemetzelt. "Oh Gott, du hast ihn umgebracht! Lass mich meine Geschichte erzählen! Vor langer Zeit. Mein Mann und ich waren so glücklich - dann kam der böse Mann. Vergewaltigung, Mord, Warten in der Ewigkeit." Blablabla.

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Miguel hat sich seid der ersten Ausgabe zeichnerisch enorm verbessert. Und er experimentiert jetzt mit Texturen. Aber es funktioniert einfach nicht - weder auf der ernsthaften Schiene, noch als teuflische Rock'n'Roll-Nummer. Irgendwie sieht es aus wie das Spick-Mich-Buch mit grünen Titten. Am Anfang einer Geschichte betont er gerne die Authentizität der Orte, an denen seine Geschichten spielen. Warum konzentriert er sich nicht auf diesen Punkt und versucht, das Grauen in die Realität rüber ziehen?! Was ist denn nun mit Lovecraft? Reinhard Kleist hat am Beginn seiner Karriere mal versucht, den Charakter und seine Geschichten ernst zu nehmen. Das nicht Darstellbare sichtbar zu machen. Und wir reden hier nicht von grünen Atomtitten! Ihr macht Comic! Da kann man mit vergleichsweise geringem Aufwand alles machen. Dann aber mal los!

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