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Bild: Brodies Law - Projekt Jameson
  • Text: A. Hartung
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Brodies Law - Projekt Jameson
Cool aussehen leicht gemacht


Es gibt Comics, da liest man auf dem Buchrücken die lobenden Kommentare und anschließend das Comic, starrt anschließend wieder auf den Klappentext und denkt: Hä?

Jack Brodie ist irgendein Auftragstyp. Sein letzter Job war eine Falle und ging gründlich in die Hosen. Er ist schwer verwundet, seine Ex-Frau wird erschossen und sein Sohn entführt. Um die Sache ordentlich abzurunden, wird er auch noch von der Polizei gesucht. Eine Verschwörung monströsen Ausmaßes ist über ihm zusammengeschlagen. Bei seinen einsetzenden Ermittlungen gelangt er an ein neu entwickeltes Mittel, das ihm ermöglicht, die Gestalt anderer Menschen anzunehmen. Er benötigt nur eine DNS-Probe. So ausgerüstet beginnt er die Suche nach seinem Sohn und nach ein paar eindeutigen Antworten. Was er jedoch nicht bedacht hat, ist, dass jeder Gestaltenwechsel Spuren von Gedanken und Gefühlen der angenommenen Person in ihm zurücklässt. So kommt er in die Situation, dass ein Teil von ihm wie der Mörder seiner Frau denkt und lacht.

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Die Story ist gut. Nicht außergewöhnlich originell, aber es könnte ein düsteres Actiongewitter voller psychischer Qualen und persönlicher Selbstauflösung werden. Aber der Zeichner (und Schöpfer) David Bircham fährt es voll gegen den Baum. Sein Stil kommt anscheinend aus dem Graffiti. Er erinnert an legale Auftragsarbeiten, wenn sich die Currywurstbude oder der Schuhladen nebenan ihre Häuserwand mit realistischen Sprüharbeiten verzieren lassen. Meist ein wenig steif, ein wenig verzogen und über die riesige Größe stimmen die Proportionen nicht mehr. Es ist nicht so, dass David Bircham nicht zeichnen kann. Er ist nur kein sehr guter Zeichner oder extrem unsicher. Ständig versucht er sich in nervigen Perspektivwechseln, dreht die Panel effekthascherisch um 45°. Das nimmt unglaublich viel Tempo aus den Actionszenen und geht ganz klar auf Kosten der Atmosphäre und des Storyverständnisses. Zusätzlich versucht er oft extreme Perspektiven einzubauen. Das heißt: Hand im Vordergrund riesengroß - Kopf gaaaannz klein. Das kann funktionieren, wenn man ein gutes Gespür und umfangreiche Zeichenkenntnisse hat. Hat er aber nicht. Der große Pluspunkt der Geschichte sind die verwirrenden, zerreißenden Gefühle, die sich in Brodie mit jedem Gestaltenwechsel ansammeln. Und die Szene, als er sich als Frau fast von deren sexuellen Begehren überwältigen lässt und beinahe vom großen Feind gefickt wird, ist ziemlich groß und einmalig. Brodie steht immer in Gefahr, seine eigene Persönlichkeit zu verlieren. Aber eigentlich auch nicht, weil er schlicht keine hat. Sein Gesichtsausdruck variiert von runter gezogenen Augenbrauen bis zu Zähne zusammen beißen. Dazu wehen seine Haare ihm immer von hinten ins Gesicht, dass man sowieso nur die Hälfte seines Gesichtes erkennen kann. Sieht halt cooler aus. Und cool aussehen, ist ja das wichtigste, wenn man einen verzweifelten Menschen darstellen will. Dazu noch schön in die extreme Froschperspektive gegangen. Man will ja nicht riskieren, dass bei allem Zweifel und Zerrissenheit der Hauptheld als Weichei rüber kommt.

Dann liest man also noch mal den Klappentext und denkt. Was wollen diese Leute? Wie kommen sie zu so einem begeisterten Urteil? Habe ich irgendwas verpasst? Sind Regisseur Renny Harlin ("Stirb Langsam2") und David Bircham miteinander befreundet? Der will jetzt auch den "Brodies Law" Film drehen. Das erklärt wenigstens, warum Crosscult den Band gemacht hat. Na, Gott sei Dank!

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