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Bild: Daniel und Oleg - Du weißt, ich weiß
  • Text: A. Hartung
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Daniel und Oleg - Du weißt, ich weiß
Wir wissen


In der Musikbranche gibt es immer wieder das Phänomen des Musiker-Musikers. Also Bands oder Einzelkünstler mit einem gewissen Rang und Namen, die aber im Großen und Ganzen nur von ihresgleichen (also Musikern) verehrt werden und nie den richtig großen Durchbruch schaffen. Im Comicbereich gibt es das auch, und sein Name ist Oliver Ferreira! Ungezählt seine Veröffentlichungen im deutschen Comic-Underground und die Zahl seiner Verehrer im Kreise der Comicschaffenden. Nur zu größeren Veröffentlichungen kam es gewollt oder ungewollt nie (sieht man von dem sprühenden Phantasielbum "Schlaraffenland" ab, welches seinerzeit wie Blei in den Regalen klebte)

Seit einiger Zeit zeichnet er zusammen mit Rene' Roggmann (der wohl irgendwie Musiker ist) die Geschichten, um die Hamburger-Szene-Aspiranten Daniel und Oleg. Nun endlich hat der sympathische "Hauptsache keine Pressearbeit oder gar Internet-up-date - Wir wollen kein Aufsehen um unsere Comics"-Zwerchfell Verlag die schon vor zwei Jahren im selbst gemachten Kopierheftchen erschienenden Geschichten ergänzt und als Buch herausgebracht. Es erzählt von dem selbstverliebten Szenespacko Daniel und dem genügsamen Playstationnutzer Oleg, die irgendwie zusammen in einer WG in Hamburg gelandet sind. Und da man im Schanzenviertel wohnt, muss man natürlich auf die Etikette achten. Sehen und gesehen werden. Entweder du bist vorne mit dabei und weißt; welche DJ-Tasche du diesen Sommer tragen musst; oder du kannst gleich wieder ungebumst in deine Kleinstadt ziehen. Und wer will das schon?! Dabei natürlich immer schön indie. Also unabhängig. Irgendwie dem System ein Schnippchen schlagen und trotzdem die Trendspitze sein. Quasi das personifizierte Intro. Und wer die Volkswagenanzeigen im Intro kennt, weiß, dass man sich da irgendwie immer selbst im Wege steht. Da kann man nur hysterisch werden. Daniel versucht das panisch lässig in den Griff zu kriegen und fängt rechtzeitig an, seine Platten - die er im Sommer auf dem Balkon auflegen will - zusammenzustellen und hält seinem geduldigen WG-Partner lange Vorträge über was geht und was nicht geht. Oleg ist er der buddhistische Playstation-Nutzer, der diesen "Krieg" nicht mitmacht. Dazwischen sitzt noch Prolo-Macker Stefan (wie der in den Bekanntenkreis gerutscht ist, wüsste ich auch gern), den eigentlich niemand leiden kann, vor dem aber alle Angst haben. Ferreira beweist seine Meisterschaft in reduzierten ausdrucksstarken Strich, in dem immer auch etwas Ornamentales mit schwingt. Ansonsten regiert der Text. Und dieser ist voller Witz, Situationskomik und gut beobachteten Alltagsgeschichten über den Hamburger Szenewahnsinn. Fürsorglich haben die Herausgeber mit dem zerschossenen und blassen Cover noch dafür gesorgt, dass auch dieses Buch, wie Blei in den Regalen liegen wird.

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