unclesally*s - willkommen zu hause

Bild: Krigstein 0 - 2
  • Text: A. Hartung
  • Kommentar schreiben

Krigstein 0 - 2
Krieg mal anders


Deutschland im Frühjahr: Das tausendjährige Reich liegt in seinen letzten Zuckungen. "Selbst auf dem Roten Platz gibt es weniger Russen als hier", bemerkt das Flieger-As Hannah Peitsch, als sie im zerbombten umkämpften Hamburg (ist jetzt eine reine Vermutung) einen Landeplatz sucht. Auflösungserscheinungen und Chaos allerorten. Der adlige van Dintershöhe flieht mit einem Ruderboot durch eine Kloake voller aufgeblähter Leichen. Andere gönnen sich vor dem Ende noch ein paar standesgemäße Erschießungen potentieller Saboteure. Und mittendrin der junge Gefreite Kadz, der nach einem rekordverdächtigen Slalom durch das Schlachtfeld Hamburg einen ominösen Koffer überreicht bekommt und diesen nun mit dem mittlerweile erfolgreich gelandeten Flieger-As Peitsch halsbrecherisch einem unbekannten Ziel entgegen tragen muss.

Gefühlte zehn Jahre ist es jetzt her, dass Haimo Kinzler seine wilde Weltkriegssause "Krigstein" Band Eins auf die Leser los ließ. Dabei handelt es sich mitnichten um die nachdenkliche Comic-Adaption von "Hitler war auch nur ein Mensch - Der Untergang", sondern um eine überbordende, äußerst temporeiche Slapstick-Abenteuergeschichte.

ANZEIGE


Nun ist es aber wohl vollbracht und die Geschichte komplett gezeichnet. Band Zwei ist endlich im Handel erhältlich. Als kleinen Bonus erscheint zeitgleich ein Nullband, der die Ereignisse zeigt an die Band Eins unmittelbar anknüpft. Auffälligster Unterschied ist die knallige Colourierung der neuen Bände, frei nach dem Motto: Hauptsache richtig bunt und jedes Panel eine andere Farbe.

Alle Charaktere sind mehr oder weniger tierähnlich. Als unvermeidliche Referenz sei auf Trondheims Mehltau (Reprodukt) verwiesen. Auch wenn Kinzler diesen Vergleich vielleicht nicht mag, erinnern nicht nur die Tiergesichter, sondern auch das gekonnte Vorantreiben der Erzählung an den großen Franzosen. Wie er dabei mit Tempo, Schnitt und Perspektiven arbeitet, sollte sich für alle zu Abenteuer- und Actiongeschichten berufenden Comiczeichnern zur Pflichtlektüre werden. Auf dass uns Ehapa nie wieder mit langweilig inszenierten Schwertkämpfen langweilt.

Mit schnellem gekritzeltem Strich entwirft Kinzler eine unglaublich komische, pointierte und vor allem actionreiche Achterbahnfahrt, wie es sonst zurzeit in Deutschland niemand vermag.

Kommentar schreiben

...zurück



Kontakt -  Impressum -  Mediadaten -  Abo ·  nach oben