- Text: A.Hartung
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Peepshow
Alltagswahnsinn
Joe Matt ist Comiczeichner. Undergroundcomiczeichner. Er zeichnet sein Leben bzw. das, was er dafür ausgibt. Er zeichnet Gespräche mit Leuten, die sich darüber beschweren, dass sie in seinem Comic vorkommen. Joe Matt macht also einen Comic, der viel den eigenen Comic zum Thema hat. Ansonsten trifft er sich mit seinen (Underground)Comickollegen Seth und Chester Brown, sammelt (klar: ein wenig obskur muss sein) und versucht Probleme mit Frauen zu haben. Seiner Freundin gegenüber verhält er sich extrem abweisend und versucht, sie wie den letzten Dreck zu behandeln. Das klappt auch ganz gut. Aber kaum ist sie ausgezogen, geht natürlich das Gejammer los. Man weiß erst, was man liebt, wenn es nicht mehr da ist und so weiter. Nebenbei geht er auf Brautschau, findet aber an jeder Frau etwas auszusetzen und zeichnet sich beim Wichsen rund um die Uhr. Joe Matts "Peepshow" ist das, was man sich seit den seligen Crumb-Tagen idealerweise als Underground-Comic vorstellt. Der Hauptdarsteller ist irgendwie ein Freak, es ist irgendwie autobiografisch und es geht vor allem um sexuelle Obsessionen. Das Ganze ist sehr amüsant zu lesen. Auch wenn die Zeit seit 1994 (als der Comic entstand) nicht stehen geblieben ist und ganz klar ein wenig der Zahn der Zeit an dem Werk genagt hat. Denn mutig ist das Ganze nicht. Eher ein Rückzug ins klassische Klischee des Underground-Comics. Zumal Matt innerhalb des Comics ständig versichert, alles wäre überzogen und er wäre eigentlich gar nicht so. Zeichner-Kollege Chester Brown ist zur gleichen Zeit mit Erzählungen (wie die Playboystories) wirklich mutige und intime Wege gegangen, die große bewegende Kunst hinterlassen haben. Er musste sich in einem Leserbrief von Peter Bagge noch über seine Wichstechnik (das "Quirlen") verarschen lassen. Dagegen zeigt Matt eigentlich recht wenig von sich. Dramaturgisch geht es auch nicht voran, da es keine Möglichkeit gibt, dass die Verhältnisse sich wirklich verändern. (Es ist klar, dass er die Frauen, von denen er träumt, nicht bekommen kann oder wenn doch, er sie halt nicht mehr haben will). Dafür ist Matt ein toller Zeichner und eine unterhaltsame Bettlektüre ist "Peepshow" allemal. Vielleicht deutet der Titel ja auch daraufhin, dass er uns nur das zeigt, was (er glaubt) wir sehen wollen. Freunde klassischer Underground-Comics im Sinne von Robert Crumb etc. können (und sollten) auf jeden Fall bedenkenlos zugreifen.
Jeden letzten Freitag im Monat!
25.07.2008
tapetenwechsel @ Rosi's - Berlin



